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Pflegeeinrichtungen gelten in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer häufig als Orte der Stille und des Rückzugs. Dass es auch anders geht, zeigt das Immanuel Seniorenzentrum Elstal. Hier steht nicht nur die Versorgung im Mittelpunkt, sondern vor allem das Leben selbst – mit Begegnung, Gemeinschaft und neuen Ideen. Einrichtungsleiterin Frau Oerder gibt Einblicke in ein Haus, das bewusst mit Vorurteilen aufräumt.

„Unser Ziel ist es, die Hemmschwelle gegenüber Pflegeeinrichtungen abzubauen“, erklärt Oerder. Viele Menschen hätten noch das Bild eines „dunklen, traurigen Ortes“ im Kopf. Dem setzt das Seniorenzentrum ein anderes Selbstverständnis entgegen: ein lebendiger Ort, geprägt von Aktivitäten, Austausch und Lebensfreude. Gleichzeitig spielen klassische Werte wie ein gepflegtes Umfeld, Hygiene und ein respektvolles Miteinander eine zentrale Rolle.

Ein wichtiger Bestandteil dieses Konzepts sind Kooperationen mit Partnern aus der Region. Besonders die Zusammenarbeit mit einer benachbarten Kindertagesstätte bringt regelmäßig Leben ins Haus. Ob Märchenstunden, gemeinsames Singen oder Plätzchenbacken – die Begegnungen zwischen Jung und Alt seien für beide Seiten bereichernd, so Frau Oerder.

Auch der Verein „Jung und alt e.V.“ unterstützt die Einrichtung auf vielfältige Weise. Neben Beratungsangeboten für Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende helfen Ehrenamtliche bei Veranstaltungen. Praktische Angebote wie Rollatortrainings oder das Üben des Einsteigens in den Linienbus fördern zudem die Selbstständigkeit im Alltag.

Ergänzt wird dieses Netzwerk durch regionale Partner wie Karls Erlebnis-Dorf, die das Haus regelmäßig mit Freikarten, Lebensmitteln für Themenwochen oder saisonalen Spenden wie Kürbissen unterstützen.

Besonders prägend für die Entwicklung des Hauses war die Anfangszeit: Das Seniorenzentrum wurde 2019 eröffnet – kurz vor Beginn der Corona-Pandemie. „Das war eine enorme Herausforderung, gerade für ein Haus im Aufbau“, erinnert sich Frau Oerder. Dennoch sei es gelungen, die Einrichtung mit Leben zu füllen und gleichzeitig neue Wege im Umgang mit der Situation zu finden.

So wurden unter anderem Hofkonzerte organisiert, um trotz Einschränkungen Gemeinschaft zu ermöglichen. Eine eigens eingerichtete kleine Eisdiele im Haus sorgte zusätzlich für ein Stück Normalität im Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner. „Diese Zeit hat uns als Team sehr zusammengeschweißt“, sagt Frau Oerder.

Neben Gemeinschaft spielt auch die Aktivierung eine wichtige Rolle im Alltag. Angebote wie Demenzfrühstücksgruppen fördern Struktur und soziale Kontakte. Technische Unterstützung bietet der sogenannte Care Table, der gezielt zur Aktivierung eingesetzt wird.

Auch im Bereich Digitalisierung geht das Seniorenzentrum neue Wege. In einem Pilotprojekt wird derzeit eine sprachgestützte Dokumentation getestet, die den Pflegealltag erleichtern und mehr Zeit für die direkte Arbeit mit den Menschen schaffen soll.

Nicole Oerder selbst blickt auf einen vielseitigen beruflichen Werdegang zurück: Von der Rechtsanwaltsfachangestellten über die Ausbildung zur examinierten Krankenschwester bis hin zur diplomierten Pflegewirtin. Nach Stationen unter anderem als Pflegedienstleitung im Allgäu kehrte sie 2017 in ihre Heimat Brandenburg zurück.

Als sich die Möglichkeit ergab, das neu gegründete Seniorenzentrum in Elstal mit aufzubauen, ergriff sie die Chance. „Ich war die erste Mitarbeiterin im Mai 2019 – damals war das Haus noch leer“, berichtet sie. Den Aufbau von Grund auf zu begleiten, sei eine besondere Erfahrung gewesen.

Heute ist das Haus fest in der Region verankert – auch durch eigene Traditionen. So wird jedes Jahr am zweiten Freitag im Juni das Sommerfest gefeiert, das gleichzeitig als „Hausgeburtstag“ gilt und Bewohner, Angehörige sowie Mitarbeitende zusammenbringt.

Für die Zukunft hat Oerder eine klare Vision: „Wir möchten weiterhin zeigen, was moderne Pflege leisten kann – ein Ort der Würde, der Gemeinschaft und des Lebens zu sein.“

Das Immanuel Seniorenzentrum Elstal steht damit beispielhaft für einen Wandel in der Pflege – weg von alten Bildern, hin zu offenen, lebendigen Lebensorten für alle Generationen.

Mehr Informationen zum Immanuel Seniorenzentrum Elstal